Armin Kratzert - Beckenbauer taucht nicht auf

Sonderausgabe zum 70. Geburtstag von Franz Beckenbauer zum reduzierten Preis

Kratzert, Armin

Beckenbauer taucht nicht auf

Roman.
174 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

€ 11,99 [D] € 12,35 [A]

ISBN 978-3-87410-119-6
2. Auflage


Biografie   Pressestimmen

Der Alien Anatol Hinueber ist gerade mit einem speziellen Auftrag vom Lichtjahre entfernten Koho auf der Erde angekommen, in der Fremde. Er soll einen bedeutenden, einen hervorragenden Menschen zur Reproduktion auf seinen fernen Heimatstern entführen: Franz Beckenbauer. Dazu muss er Kontakte aufbauen. Beim angesagten Modefriseur sieht er erstmals sein Opfer und kann Genmaterial aufsammeln. Und in der Bar der großen Fußballstars lernt er Spieler kennen.

Auch mit Frauen bringen ihn seine Recherchen zusammen, wie könnte es anders sein. Doch Vieles wird er erst lernen müssen: Gehen, Sprechen, Schauen wie ein echter Mensch, vielleicht sogar Fühlen. Bald macht es ihm Spaß, Auto zu fahren, Fußball zu spielen und zu kochen. Dabei lebt er sich ein in München, und es gefällt ihm immer besser. Was wird nun aus seinem Auftrag, aus der Entführung und aus ihm selber?

Wie erscheinen die Menschen, die Stadt München, seine Einwohner und ihre Verrichtungen dem Außerirdischen Anatol Hinueber? Welche Fähigkeiten hat er den Menschen voraus und welche die Menschen ihm? Wie soll er sich verhalten, um nicht aufzufallen? Wie sich anpassen? Wie sehr sich selbst verleugnen?
Der Autor wird zum Ethnographen in der Fremde und der Held der Geschichte allmählich zum Menschen. Wie wirklich ist das alles, fragen sich der Alien und mit ihm der Autor. Am Ende stellt sich die Frage: Gibt es Beckenbauer überhaupt?

Was steckt drin?
Unter dem Namen Anatol Hinueber setzt ein Alien alles daran, seinen
Auftrag in der bayerischen Landeshauptstadt München zu erfüllen:
Entführe einen hervorragenden Menschen, um ihn genetisch auszuwerten.
Und wer eignet sich dafür besser als Franz Beckenbauer, dessen Licht
bis ins Weltall ausstrahlt?

Der wertvollste Satz?
"München liegt auf einer Ebene mit ziemlich unschönem Bewuchs und
einigen Gewässern, im Süden stört Gebirge, im Osten von Wildgetier
bewohnter Wald."

Nutzwert?
Anatol Hinueber hält den Münchnern einen Spiegel vor, sein
unschuldiger Blick auf ihre ganz spezielle, vom Fußball infizierte
Lebensweise ist ein amüsanter und dazu elegant geschriebener Lesespaß.
Armin Kratzerts Buch ist, wie die Süddeutsche Zeitung zu Recht
schrieb, "der letztgültige Münchenroman".

Quelle: Maron Bösker, Literaturhaus München

Pressestimmen

„Sind wir nicht alle ein bisschen Beckenbauer? Armin Kratzert wagt sich in seiner grandiosen Satire unerschrocken in Bereiche, die noch kein Schriftsteller vor ihm erforscht hat. Ein kurzer und scharfsinniger Roman darüber, wie Fußball funktioniert – und Deutschland.“
Denis Scheck über „Beckenbauer taucht nicht auf“

Lieber Himmel
Der letztgültige Münchenroman, auf den keiner gewartet hat, hier ist er: Armin Kratzerts herrliche Erzählung 'Beckenbauer taucht nicht auf'

Ist das komisch oder albern? Ein Autor schickt ein Alien namens Anatol Hinueber nach München, das einen hervorragenden Menschen finden und entführen soll, damit der genetisch ausgewertet werden kann. Gedacht ist an Franz Beckenbauer, von dem sich auf dem Lichtjahre entfernten Koho herumgesprochen hat, es handele sich um eine Lichtgestalt. Mindestens hält man diese Idee zunächst für einen müden Scherz.

Allerdings ist Armin Kratzert, Jahrgang 1958, schon in seinem Roman 'Magnolia' durch eine glasklare, feine Sprache aufgefallen, die schnelle Effekte meidet, was einen Liebesroman schmückt wie auch eine Farce. Im Fall von 'Beckenbauer taucht nicht auf' könnte man von einer Farce sprechen, vor allem aber von Hochkomik. Kratzers Kniff ist dabei so schlicht wie hollywoodreif. Er funktionierte schon bei Filmen wie 'Star Wars', 'Nummer 5 lebt', 'E.T.' oder 'Super 8': Erzählt wird die Geschichte von Menschmaschinen, die wie eben Nummer fünf oder R2D2 mit kindergleicher Unschuld auf Menschen schauen oder eben Menschen ausgesetzt sind. So eine Idee mag als solche bescheuert wirken, allenfalls wie ein Startschuss für ein Kinderbuch. Aber gute Regisseure wie Autoren wissen: Großes schlecht erzählen können viele, eine Kunst ist es, Absurdes schön zu erzählen, mit Sorgfalt, Witzigkeiten meidend, nahezu naturwissenschaftlich. In diesem Genre ist Armin Kratzert ein Meister, sein Märchen ist von rührender, explosiver Heiterkeit.

Kratzert lässt seinen mit Daten vollgestopften Anatol Hinueber auf der Suche nach Franz Beckenbauer einigermaßen staunend durch München laufen, sich einrichten, Bekanntschaften schließen mit Kindern, Frauen, sogar mit einem schlecht gelaunten Hausmeister namens Friedrich Beckenbauer aus Giesing, den er unter 'F. Beckenbauer' im Telefonbuch ausfindig macht.

Das Alien ist - wie Beckenbauer - etwas blasiert. Es ist aber - anders als Beckenbauer - unvollkommen. Zwar hat man auf Koho darauf geachtet, Hinueber in Gestalt eines irgendwie attraktiven Mannes nach München zu schicken. Andererseits trägt er einen blöden Namen und eher stumpfe Haare, auch unterlaufen ihm Missgeschicke: Beim Spaziergang zur Bayern-Zentrale an der Säbener Straße nimmt er eine Geschwindigkeit von sechzig Kilometern auf, beim Kicken mit einem Kind schießt er den Ball auf Nimmerwiedersehen in den Münchner Himmel.

München, Sex, Kochrezepte von Witzigmann, der FC Bayern; all sein Wissen kopiert Hinueber (wie es große Geister der Gegenwart eben tun) aus Wikipedia und anderen Nachschlagewerken und macht dann das Beste draus, zum Beispiel folgendes Gericht für die perplexe Mutter eines kleinen Bayernfans: lauwarmen Lauchsalat mit Périgord-Trüffeln, Hechtschwanz mit Senfbutter und Kapern, schließlich Lebkuchen-Soufflé mit Altbier-Sabayon.

Der Ton, den Kratzert anschlägt, ist der der leisen Unschuld, was seit den großen Stummfilmstars sehr komisch ist. Es entsteht so ein Kontrast zum monströsen Chaos, das diese Unschuld vom Planeten Koho anzurichten im Stande ist. Gleich zu Beginn der Erzählung geht das los, nachdem Hinueber nicht geil, sondern vollkommen ratlos seiner Nachbarin durchs Fenster beim Masturbieren mit Gemüse zugeschaut hat: 'Ich vermesse die Stadt, zähle ihre Einwohner, schätze wesentliche Parameter, ich kalkuliere die für meine Pläne wirksamen Faktoren, erwäge, ein kleines Exemplar der hier verbreiteten Spezies zu fangen und in Scheiben zu schneiden.'

Sonderbar, dieses Buch, nach dessen Lektüre man über Selbstverständlichkeiten staunt, da vom Erstaunen des Aliens über unser Sosein in dieser Stadt ('München liegt auf einer Ebene mit ziemlich unschönem Bewuchs und einigen Gewässern, im Süden stört Gebirge') berichtet wird: Dass wir in schachtelartigen Behausungen leben, Haxn essen ('mumifizierte Schweinefüße'), dass wir uns beim Sex ständig irgendwelchen Körperöffnungen widmen . . .

Beckenbauer erstmals ansichtig wird Hinueber dann bei dessen Stammfriseur, dem Vidal Sassoon am Odeonsplatz, dort saugt er auch erste Proben einer enttäuschend minimalistischen Frisur ein.

Da es um München geht, bleibt dann selbst beim Alien Verzauberung nicht aus. Hinueber kriegt Gefühle, und Kratzert setzt im Finale an zu einer der allerzartesten Hymnen, die seiner Heimat je zuteil wurden: 'An schönen Tagen gibt es manchmal eine halbe Stunde zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit, in der die Stadt München in dieses azurne Licht getaucht ist, das direkt vom Himmel kommt, das die Luft ganz klar macht und die Dinge leicht. Farben und Gerüche verschwinden in diesem Moment, Bewegungen verwischen, alles zeigt sich, wie es wirklich ist, offenbart Struktur, Masse, Kern. Ich fühle mich sicher und gut, ich liebe dieses Blau, ich brauche diese Stimmung, und weiß ja nun, dass es Franz genauso geht.'

Der letztgültige Münchenroman, auf den seit der Wende 1989/90 wirklich kein Mensch gewartet hat: Hier ist er. Er ist eine kleine, große und überaus herrliche Erzählung. ALEXANDER GORKOW

ARMIN KRATZERT: Beckenbauer taucht nicht auf. Roman. Peter Kirchheim Verlag, München 2012. 168 Seiten, 19,95 Euro.

Quelle Verlag Süddeutsche Zeitung
Datum Freitag, den 23. März 2012

Biografie

Armin Kratzert ist 1957 in Augsburg geboren, studierte Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Literatur. Danach arbeitete er als freier Journalist und Fernsehautor und ist seit 1986 für das Fernsehen des Bayerischen Rundfunks tätig. Er schreibt Gedichte, Theaterstücke und Romane und lebt in München.
Veröffentlichungen zwischen 1998 und 2009: einige Bücher und Theaterstücke, u. a. Hawaii, Roman, Viechtach 2005; Hundertmark, Roman, München 2006 und Magnolia, Roman, München 2008.

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