Fürnrohr, Walter /  Muschialik, Felix

Überleben und Neubeginn
Das DP-Hospital Gauting ab 1945

mit Faksimile-Abdruck der Patientenzeitschrift
"Unser Leben" von 1947 - 1948

413 Seiten
Mit vielen Fotos, Zeichnungen, Tabellen und Registern
Gebunden mit Schutzumschlag, Fadenheftung
34,90 € [D] 35,90 € [A] 59,90 SFr
(ISBN) 3-87410-102-9

Das DP-Hospital Gauting war ab Mai 1945 für Tausende ein Ort des Überlebens nach dem Zweiten Weltkrieg. 
Hier trafen sich die kranken KZ-Opfer und Zwangsarbeiter (Displaced Persons) aus vielen Nationen in oft jahrelanger Tbc-Quarantäne. Hier wuchsen sie zu einer besonderen Gemeinschaft in ärztlicher Obhut heran. Hier nahmen sie Abschied von den Sterbenden - hier bereiteten sie sich auf das Leben nach der Katastrophe vor. Die Juden unter ihnen - eine Mehrheit - fanden erstmals zu einer Identität, die sie so nicht gekannt hatten.
Besonders reich gestalteten die Kranken und Genesenden das kulturelle Leben im DP-Hospital mit Bücherei, Ausbildung in Sprachen, Theater, Kino, Kabarett, Rundfunk und der Patientenzeitung «Unser Leben», die in 14 Ausgaben von 1947-1948 erschien. Sie wurde erst von dem Krankenhaus-Rundfunk «Radio Gauting» abgelöst.
Das bisher schon Bekannte, vor allem aber das viele Neuerforschte versammelt dieses umfangreiche neueste Buch über eine wichtige Epoche der jüngsten Zeitgeschichte.
«Unser Leben», die Patientenzeitung (13 Ausgaben) und die Festschrift zur 1000. Sendung von «Radio Gauting» sind hier vollständig als Faksimiles abgedruckt - 
auf 282 Seiten eine unvergleichliche Quelle der Erinnerung. Die Zeitung ist in drei Sprachen verfaßt: in Jiddisch (lateinisch geschrieben), Polnisch und Deutsch.
Die Artikel sind ausnahmslos Originalbeiträge, d. h. sie sind nicht übersetzt.

Inhalt:

1. Die Vorgeschichte des DP-Hospitals
Zur räumlichen Orientierung im Krankenhausareal

2. Zum allgemeinen Hintergrund des Geschehens in Gauting

3. Das DP-Krankenhaus der Amerikaner, der UNRRA und IRQ 1945-1951

- Über die Zahl der Lagerinsassen in den DP-Lagern und im DP-Hospital Gauting
- Das Verhältnis zum Umfeld
- Vom täglichen Leben
- Der eigene Sender - die erste Sendung

4. Staatliches Tbc-Sanatorium und -Krankenhaus Gauting 
in Verwaltung der LVA Oberbayern 1951-2000

5. Die Sterbefälle 1945-1952

- Schwere Krankheit - Sterben - Tod
- Verstorbene Juden von Mai 1945 - März 1952
- Verstorbene nichtjüdische Ausländer von Mai 1945 - März 1952

Die Patientenzeitung «Unser Leben» 256 Seiten

Die Festschrift zur 1000. Sendung von «Radio Gauting» 26 Seiten

Pressestimmen:

Süddeutsche Zeitung
Donnerstag, den 19. Mai 2005

"Überleben und Neubeginn" heißt das Buch das von Walter Fürnrohr (links) und Felix Muschialik (rechts), das von Verleger Peter Kirchheim (2.v.l.) und Hansjörg Hägele (Gesellschaft für Archäologie) vorgestellt wurde. 
Foto: Treyball

Überleben als Displaced Person
Walter Fürnrohr und Felix Muschialik haben ein Buch über das DP-Hospital in Gauting geschrieben

Gauting- "Überleben und Neubeginn" heißt das Buch über das DP-Hospital Gauting, das die Autoren Walter Fürnrohr und Felix Muschialik gemeinsam mit ihrem Verleger Peter Kirchheim in Gauting vorstellten. Fürnrohr, Historiker und Politikwissenschaftler, hat mit Muschialik zusammen bereits ein Buch über die Kriegstoten Gautings herausgegeben.

Das neue Buch schließt an diese Arbeit an und entstand im Rahmen der Arbeit der Gesellschaft für Archäologie und Geschichte in Gauting. Es geht um das Überleben und den Beginn eines neuen Lebens derer, die als displaced persons, wie die Amerikaner die in den Kriegswirren verstreuten Menschen nannten, als Überlebende der Konzentrationslager, mit Tuberkuloseerkrankungen in das Hospital kamen. 
"Als Tbc-Krankenhaus unterlag es natürlich der Quarantäne", schildert Kirchheim die Situation. "Die Patienten haben hier eine lange Zeit verbracht, waren ortsgebunden und haben begonnen, ihren Alltag neu und selber zu gestalten. Mit kulturellen Veranstaltungen, einer eigenen Radiosendung und einer Patientenzeitschrift." Diese Patientenzeitschrift, die unter dem Namen "Unser Leben" in 13 Ausgaben erschienen ist, war die besondere Entdeckung der Autoren. "Als wir uns in der jetzigen Asklepios-Klinik nach Unterlagen erkundigten, bekamen wir einen Leitz-Ordner in die Hände gedrückt und fanden darin, neben anderen Dokumenten, eine Ausgabe dieser Patientenzeitung", sagt Fürnrohr. Gemeinsam mit Kirchheim machte er sich auf die Suche nach weiteren Ausgaben und stieß zunächst in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem auf einen Mikrofilm, der aber für eine Buchausgabe nicht reproduzierbar war.

Kirchheim gab jedoch nicht auf, und es gelang ihm schließlich, im YIVO-Archiv in New York die Originalausgaben der Gautinger Patientenzeitschrift "Unser Leben" aufzutreiben. So besteht nun eine Besonderheit des Buches in den Faksimileabdrucken der Zeitschrift, die damals in den Sprachen Deutsch, Polnisch und transkribiertem Jiddisch Artikel aus dem Patientenalltag, zu politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen veröffentlichte.

Außerdem ist die Festschrift zur 1000. Sendung von "Radio Gauting" in dem Buch abgedruckt. "Radio Gauting" löste 1948 die Zeitschrift "Unser Leben" ab - ein Krankenhausrundfunk, der zunächst Sendungen des Bayerischen Rundfunks in die Krankenzimmer übertrug und später ein eigenes Programm sendete.

Neben dem Abdruck dieser Originaldokumente beinhaltet das Buch eine ausführliche Darstellung der Geschichte des DP-Hospitals Gauting, seiner Vorgeschichte und seiner späteren Zeit als staatliches Tbc-Sanatorium unter der Verwaltung der Landesversicherungsanstalt Oberbayern bis 2000. Darüber hinaus ist eine Liste der Sterbefälle von Juden und nichtjüdischen Ausländern von Mai 1945 bis März 1952 dokumentiert.

Die Herstellungskosten des Buches konnten niedrig gehalten werden dank zahlreicher Sponsoren, darunter die Gemeinde Gauting, die Kulturstiftung der Sparkasse Gauting, der Verein "Gegen Vergessen - Für Demokratie" und, von privater Seite, die Buchhandlung Luitgard Kirchheim und Altbürgermeister Ekkehard Knobloch. 
Sabine Zaplin


www.marktplatz-oberbayern.de

Das Denken und Fühlen der Menschen im DP-Hospital
Buch über das Leiden der Tuberkulose-Patienten nach Kriegsende

Gauting (fm) - "Dieses Buch ist ein Gedenkbuch an die Kriegstoten des DP-Hospitals in Gauting", sagte Verleger Peter Kirchheim bei der gestrigen Vorstellung des Werks "Überleben und Neubeginn - DP-Hospital Gauting ab 1945". Die beiden Autoren Walter Fürnrohr und Felix Muschialik gehören der Arbeitsgruppe Zeitgeschichte der Gesellschaft für Archäologie und Geschichte Oberes Würmtal an. "Ein ausgezeichnetes Quellenbuch", fügte der 2. Vorsitzende der Gesellschaft, Hansjörg Hegele, hinzu. Durch die Faksimile-Veröffentlichung der Patientenzeitung "Unser Leben" und der Festschrift zur 1000. Sendung von "Radio Gauting" hebe sich das Buch von vergleichbaren Dokumentationen ab.

Die zusammengestellten Dokumente aus Gauting, Israel (Yad Vashem) und New York (YIVO-Archiv) ermöglichen nicht nur einen Einblick in das Leiden der Tuberkulose-Patienten, sondern berichten auch über die Aufbruchstimmung und den Lebenswillen der dort in Quarantäne lebenden Menschen. Bei Kriegsende gab es tausende tuberkulosekranke DPs (Displaced Persons, zu Deutsch: Zwangsverschleppte), die sofort medizinisch versorgt mussten. Darum erklärten die Amerikaner das Gautinger Lazarett (heute Asklepiosklinik) zu einem solchen DP-Hospital, das einzige dieser Art in ihrer Zone. Beim Stand der damaligen Medizin dauerten manche dieser Krankenhausaufenthalte bis zu acht Jahre. "Wegen der Quarantäne durften die Tuberkulosekranken nicht wie zum Beispiel in Feldafing raus- und reingehen. Sie waren ortsgebunden und mussten sich als Kollektiv neu formieren", berichtete Kirchheim. Dadurch sei eine neue jüdische Identität entstanden.

"Die Zeitung ,Unser Leben` war von den Patienten für die Patienten geschrieben", sagte Fürnrohr. Sie schrieben dreisprachig, auf Deutsch, Jiddisch und Polnisch. Die Artikel beinhalteten Themen aus Politik oder Kultur aber auch Zeichnungen, Porträts sowie persönliche Nachrichten. "Es ist ein großartiges Dokument. Es ist das Denken und Fühlen der Menschen, die im Krankenhaus lebten", so Fürnrohr.

Bis 1952 starben in Gauting insgesamt 470 DPs, 128 davon waren jüdische Patienten. "Wir vermuten, dass das am 19. Oktober 1947 errichtete Holocaust-Denkmal auf dem jüdischen Friedhof in Gauting das erste auf deutschem Boden war", sagte Fürnrohr. Auf der Rückseite des Buches ist der einzige noch lebende Sanatoriumspatient zu sehen: Rafael Katz aus Gauting.

"Überleben und Neubeginn - DP-Hospital Gauting ab 1945" kostet 34,90 Euro und ist in der Buchhandlung Kirchheim in Gauting erhältlich.

Univadis.de schrieb:

"DISPLACED PERSONS": BEISPIELLOSES KONVOLUT!
"She'erit Hapletah"

Wer der Tortur erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt. So formulierte es stellvertretend Jean Améry für all jene, die das Konzentrationslager überlebten. "She'erit Hapletah": So bezeichneten sich der Schoah entronnene jüdische Überlebende: Heimatlose!

Und als nichts anderes, drehen wir die Zeiger der Zeit um sechzig Jahre zurück, verstanden sich auch die Patienten im TB-Hospital in Gauting bei München. Im Jargon der Zeit: "Displaced Persons", Menschen fremder Staats- und Volkszugehörigkeit, die verschleppt wurden und sich im untergegangenen Nazi-Deutschland aufhielten.

Dazu zählten auch die Patienten im Gautinger Lungensanatorium, die dort vom Ende des Krieges bis in 1960er-Jahre lebten. Um nach Therapie und Rekonvaleszenz endlich "Erez Israel" in Erfüllung gehen zu sehen! So steht es im Editorial der ersten Ausgabe der Patientenzeitung "Unser Leben", die wie durch ein Wunder erst jetzt wieder verfügbar ist.

Beispiellos, was sich hier vor unseren Augen auftut. Wir sprachen mit Professor Fürnrohr, der für uns dieses einzigartige Konvolut erschließt. Buchstäblich ein Palimpsest!

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